Schlaganfall

Hilfe und Tipps für pflegende Angehörige

Ein Schlaganfall kann von einer Minute zur anderen das Leben des Betroffenen und das seiner Angehörigen verändern und umkrempeln. Er tritt meist unerwartet und ohne große Vorzeichen ein und geht häufig mit sehr einschränkenden Folgen einher. Neben einem kleinen Überblick über Symptome, Ursachen und Therapie des Schlaganfalls; erhalten Sie in diesem Ratgeber vor allem Tipps, Hinweise und Ratschläge, wie sie in der Akutsituation richtig reagieren können und wie Sie die erste Zeit zurück im häuslichen Umfeld für sich und Ihren betroffenen Angehörigen so angenehm wie möglich gestalten können.

Inhaltsverzeichnis

  • Schlaganfall
    • Symptome
    • Ursachen
    • Akuttherapie
  • Hilfe für pflegende Angehörige
    • Eigene ressourcen und Kräfte schonen
    • Hilfe aktiv suchen und erfragen
    • Informationen des eigenen Umfeldes

Schlaganfall – Symptome, Ursachen und Akuttherapie

Symptome

Der Schlaganfall, oder Apoplex beziehungsweise apoplektischer Insult, wie er im medizinischen Fachjargon bezeichnet wird, stellt ein Akutereignis dar, welches mit einer Reihe von unverkennbaren, spezifischen und vor allem plötzlich eintretenden Symptomen einhergehen kann:

  • Heftige Kopfschmerzen in Begleitung von Übelkeit und Erbrechen
  • Sprachstörungen (kompletter Sprachverlust, zusammenhangslose Sprache ohne erkennbaren Inhalt, verwaschene Sprache)
  • Bewusstseinsveränderungen (Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit, komatöser Zustand)
  • Empfindungs- und Wahrnehmungsstörungen (Kribbeln oder Taubheit in den Fingern, Zehen, Extremitäten, Körperhälfte)
  • Störung oder Verlust der Motorik (Gangunsicherheiten, Kraftminderung, Halbseitenlähmung, hängendes Lid, hängender Mundwinkel)
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder, eingeschränktes Sehfeld)

Cave: Treten eines oder mehrere dieser Symptome ohne erkennbare Ursache auf, so sollten Sie unverzüglich einen Notarzt verständigen, der über die Notruf-Nummer 112 zu erreichen ist. Auch wenn Sie sich unsicher sind, sollten Sie diese Maßnahme ergreifen, denn im Sinne einer erfolgreichen Therapie zählt in der Akuttherapie des Schlaganfalls jede Minute.

Nicht selten maskiert sich ein apoplektischer Insult und ist sowohl für Laien, als auch für medizinisches Personal nicht sofort als solches erkennbar. Zu den eher unspezifischen Symptomen gehören:

  • Schwindel
  • Wortfindungsstörungen
  • Augenflimmern
  • Schluckbeschwerden und häufiges Verschlucken
  • Konzentrationsstörungen
  • Plötzliche Harninkontinenz

Aufgrund der Unklarheiten in der Symptomatik des Schlaganfalls gibt es den sogenannten FAST-Test zur orientierenden Diagnostik des Schlaganfalls (die abschließende Diagnose kann und darf nur der Arzt stellen). Dieser Test umfasst 3 Komponenten:

  1. Face: Den Betroffenen bitten, zu lächeln.
  2. Arms: Den betroffenen bitten, beide Arme gleichzeitig zu heben.
  3. Speech: Den Betroffenen bitten, einen einfachen Satz nachzusprechen.

Sollte der Betroffene Probleme damit haben, eine oder mehrere dieser einfachen Handlungsanweisungen auszuführen, besteht die Möglichkeit, dass es sich um einen Schlaganfall handelt und es muss unverzüglich ärztliche Hilfe benachrichtigt werden (Notruf: 112), da nun jede Minute zählt (Time!).

Ursachen

Schlaganfälle entstehen im Wesentlichen durch zwei Ursachen. Bis zu 80% der Schlaganfälle werden durch Durchblutungsstörungen im Gehirn verursacht. Hierbei kommt es infolge von Ablagerungen in den Blutgefäßen zu Einengungen oder Komplettverschlüssen in den versorgenden Blutgefäßen. Dadurch wird das Hirnareal, welches von dem verschlossenen Blutgefäß versorgt wird, nicht mehr ausreichend oder schlimmstenfalls gar nicht mehr mit Sauerstoff und anderen Nährstoffen versorgt. Hieraus resultiert eine Schädigung des Hirngewebes, da nach und nach die Nervenzellen absterben. Die Einengungen oder Verschlüsse der Blutgefäße können lokal durch Ablagerungen entstehen, wie es häufig bei Atherosklerose vorkommt, oder durch eingeströmte Thromben aus anderen Blutgefäßen verursacht werden. Für diesen Personenkreis existiert unter Medizinern ein klar definiertes Risikoprofil für potentiell betroffene Menschen:

  • Raucher
  • Diabetiker
  • Bluthochdruckpatienten
  • Übergewichtige Patienten
  • Herzkranke Patienten
  • Patienten mit einer Fettstoffwechselerkrankung
  • Frauen, die lange Zeit die „Pille“ genommen haben

Der weitaus geringere Anteil an Schlaganfällen wird hingegen durch Hirnblutungen verursacht. Hierbei kann es infolge von Gewebsschwächen, Gefäßdeformationen, Ablagerungen an den Gefäßinnenwänden oder einer Gewalteinwirkung auf den Schädel zum Platzen von Hirngefäßen kommen. Infolgedessen tritt das Blut aus und führt zu Schädigungen und zum Absterben der Nervenzellen im Gehirn.

Therapie

Beim Schlaganfall zählt jede Minute, das heißt je früher eine adäquate Behandlung erfolgt, desto geringer ausgeprägt fallen die möglichen Spätfolgen aus oder bilden sich sogar ganz zurück. Schon allein deshalb beschäftigt sich der Arzt nicht allzu lange Zeit mit der Erstdiagnose. Nach einer orientierenden klinischen Untersuchung mit Fokus auf neurologische Ausfälle wird unverzüglich eine CT-Untersuchung veranlasst, um die Unterscheidung der Ursache hinsichtlich Blutung oder Verschluss treffen zu können. Denn diese Unterscheidung ist wichtig, um die notwendigen, aber gegensätzlich wirkenden Therapiemaßnahmen einleiten zu können:

Ursache: Gefäßverschluss à Auflösung des Blutpfropfs durch Behandlung mit hochdosierten blutverdünnenden Medikamenten

Ursache: Hirnblutung à operative Beseitigung der Blutungsquelle, Anlage einer Drainage; blutverdünnende Maßnahmen können das Ereignis noch verschlimmern

Je nach Ausprägung des Krankheitsgeschehens und der eingetretenen Ausfallerscheinung schließt sich an die Akuttherapie im Krankenhaus in der Regel ein weiteres rehabilitatives Therapiekonzept mit

  • Physiotherapie
  • Logopädie
  • Ergotherapie

an, welches oftmals mit einem weiteren stationären Aufenthalt in einer Rehaeinrichtung verbunden ist.

Hilfe für pflegende Angehörige

Eigene Ressourcen und Kräfte schonen:

Es ist nur allzu nachvollziehbar, dass Sie sich gerade in der ersten Phase nach einem Schlaganfall besonders große Sorgen um Ihren Familienangehörigen machen. Aber Sie sollten gerade jetzt auch besonders Acht auf sich selbst geben. Seien Sie sich gewiss, dass Ihr Angehöriger im Krankenhaus und auch in der Rehaeinrichtung rundum versorgt und gut gepflegt wird. Auch wenn es schwer fällt dies anzunehmen und Kontrolle abzugeben, aber sie sind ihm keine große Hilfe, wenn sie tagsüber wie nachts stundenlang an seinem Bett wachen. Gerade jetzt sollten sie für sich selbst für ausreichend Schlaf, ausgewogene Ernährung und auch Ablenkung sorgen. Sie haben nun viel zu regeln und vorzubereiten, dafür benötigen Sie jedes Fünkchen an Energie. Deshalb sehen sie es nicht als Schwäche oder Versagen an, wenn Sie nicht Stunde um Stunde am Krankenbett wachen. Sondern stattdessen nach Hause gehen, Angelegenheiten klären und organisieren, oder eben einfach nur ein Entspannungsbad nehmen. Ihrem kranken Angehörigen sind sie tatsächlich die größte Hilfe und Unterstützung, wenn er sich zusätzlich zu seiner eigenen Genesung nicht auch noch Sorgen um Ihre Gesundheit machen muss.

Hilfe aktiv suchen und erfragen:

In der Regel werden Patienten mit einem Schlaganfall auf eigens dafür eingerichteten „Schlaganfall-Stationen“ (Stroke Units bzw. neurologische Stationen) versorgt. Hier arbeitet auch speziell auf das Krankheitsbild ausgebildetes Personal. Scheuen Sie sich nicht, aktiv auf das Personal zu zugehen und nach Hilfe, Anleitungen und Beratungen für die Zeit Zuhause zu fragen. Oft ist auch das Personal dankbar, wenn Angehörige aktiv fragen und die Brücke zur Beratung und Anleitung bauen. Sie können Ihnen Tipps für die Durchführung der Körperpflege, den Transfer oder die Lagerung zeigen und gemeinsam mit Ihnen passende Maßnahmen erarbeiten.

Für die erste Zeit zurück im häuslichen Milieu können Sie auch die im Krankenhaus arbeitenden Mitarbeiter des Sozialdienstes ansprechen und folgende Fragen im gemeinsamen Gespräch klären:

  • Einstufung der Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad, Pflegegeld)
  • Möglichkeiten der ambulanten Hilfe (ambulanter Pflegedienst, 24h-Betreuung, Betreuungsgruppen)
  • Möglichkeiten der Auszeit für pflegende Angehörige (Kurzzeitpflegeeinrichtungen)
  • Sinnvolle Hilfsmittel, sinnvolle Umbaumaßnahmen

Auch Angehörige von Mitpatienten Ihres eigenen Angehörigen haben oft noch den ein oder anderen Tipp für sie. Für die weitere Versorgung Zuhause bietet es sich auch an Hilfe in Internetforen oder Selbsthilfegruppen zu suchen.

Information des eigenen Umfeldes:

Haben Sie vor, die Versorgung Ihres betroffenen Angehörigen selbst zu gewährleisten, ist es wichtig, sowohl Ihre Familie, als auch Ihre Freunde und Ihren Arbeitgeber und die Arbeitskollegen darüber zu informieren. Einerseits bekommen Sie hierdurch möglicherweise noch das ein oder andere Hilfsangebot, welches Sie selbst gar nicht erwartet hatten. Zum Beispiel die bekannte Nachbarin, die Ihnen anbietet, Ihr eigenes schulpflichtiges Kind am Nachmittag auf dem Nachhauseweg zu begleiten, damit Sie Zeit für die Versorgung Ihres Angehörigen haben. Außerdem sorgen Sie damit schon im Vorfeld für ausreichend Verständnis für die Zeit, wo Sie selbst an Ihre körperlichen und geistigen Grenzen kommen.

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